Lange Nacht der Wissenschaften · Universität Paderborn · TRR 266 Accounting for Transparency

Steuerrabatt für E‑Dienstwagen: Was kostet die eingesparte Tonne CO₂?

Seit 2019 zahlen Beschäftigte weniger Steuern, wenn sie ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid als Dienstwagen wählen. Bringt das mehr klimafreundliche Autos auf die Straße, und zu welchem Preis? Genau das haben wir untersucht. Bevor Sie die Antwort sehen, sind Sie dran: Geben Sie unten Ihren Tipp ab.

Steuern Klimaschutz Dienstwagen
Auf einen Blick

Der Verkehr ist eines der großen Sorgenkinder des Klimaschutzes: Rund ein Fünftel aller CO₂-Emissionen in Europa entsteht auf der Straße, und während andere Bereiche ihren Ausstoß senken, hat der Verkehrssektor seine Ziele wiederholt verfehlt. Ein gewaltiger Hebel sind dabei Dienstwagen, denn sie machen in vielen europäischen Ländern über 60 % der Neuzulassungen aus. Genau hier setzt die Reform an: Wer ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid als Dienstwagen privat nutzt, versteuert seit 2019 nur die Hälfte des sonst üblichen Betrags, im Schnitt ein Vorteil von 875 € pro Jahr. Wir haben untersucht, ob dieser Steuerbonus wirkt und was den Staat jede eingesparte Tonne CO₂ kostet.

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Ihre Einschätzung

Was schätzen Sie? Zur Einordnung: Im Untersuchungszeitraum kostete das Recht, eine Tonne CO₂ auszustoßen, im europäischen Emissionshandel durchschnittlich rund 22 €.

Was kostet den Staat eine Tonne CO₂, die durch die steuerliche Dienstwagen-Förderung eingespart wird?
250 €
pro eingesparter Tonne CO₂
0 €500 €1.000 €1.500 €2.000 €
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Das Ergebnis

0 €je eingesparter Tonne CO₂: geschätzte Kosten aus Sicht des Staates
Abbildung 1

Kosten je vermiedener Tonne CO₂ im Vergleich

CO₂-Preis im EU-Emissionshandel (Ø Reformzeitraum)
Ihre Einschätzung
Soziale Kosten von CO₂ (Rennert et al. 2022)
Dienstwagen-Förderung: Kosten des Staates (Basisszenario)
Zum Vergleich: Würden nur reine Elektroautos gefördert
Anmerkung: Staatskosten je eingesparter Tonne CO₂ gemäß Kosten-Nutzen-Analyse in Giese/Holtmann (TRR 266 Working Paper No. 118), Basisszenario (realer elektrischer Fahranteil von Plug-in-Hybriden: 12 %, Strommix 2019). Je nach Szenario reicht die Spanne von 321 € (elektrischer Fahranteil 75 %) über 431 € (nur reine E-Autos begünstigt) und 446 € (Laden ausschließlich mit Ökostrom) bis 5.673 € (inkl. Emissionen aus Produktion und Recycling). EU-ETS: Ø-Preis der CO₂-Futures im Reformzeitraum (21,51 €); soziale Kosten: 185 $ je Tonne (Rennert et al. 2022, Nature), umgerechnet rund 165 €.
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Wie wir das untersuchen

Dass nach 2019 mehr E-Autos zugelassen wurden, könnte viele Gründe haben. Ob wirklich der Steuerbonus dahintersteckt, zeigt der Blick ins Nachbarland.

Vorgehen

Der Vergleich mit Österreich

Wir vergleichen die Neuzulassungen derselben Automodelle in Deutschland und Österreich, vor und nach der Reform. Der österreichische Automarkt ist dem deutschen sehr ähnlich, aber einen solchen Steuerbonus gab es dort nicht. Der Unterschied zwischen beiden Ländern zeigt daher, was die Förderung wirklich bewirkt hat.

Befund 1 · Wirksamkeit
+95 %

Die Neuzulassungen begünstigter Autos steigen um 95 %, das sind rund 120.000 zusätzliche Zulassungen pro Jahr. Elektroautos und Plug-in-Hybride legen beide zu, Hybride sogar am stärksten. Die Reform erreicht ihr unmittelbares Ziel: mehr Autos mit Stecker auf der Straße.

Befund 2 · Effizienz
1.266 €

kostet den Staat jede eingesparte Tonne CO₂ im Basisszenario. Das ist rund das 60-Fache des damaligen CO₂-Preises im Emissionshandel. Der Grund: Nur der Wechsel zum reinen Elektroauto spart wirklich CO₂. Plug-in-Hybride werden im Alltag nur zu etwa 12 % elektrisch gefahren und stoßen dann oft mehr aus als vergleichbare Verbrenner. Je nach Annahmen reicht die Spanne von 321 € (wenn Hybride überwiegend elektrisch führen) bis 5.673 € (wenn auch Produktion und Recycling einbezogen werden).

Abbildung 2

Und was kosten andere Fördermaßnahmen je eingesparter Tonne CO₂?

Steuergutschrift für Hybride, USA (Beresteanu/Li 2011)bis 158 €
Verkaufssteuer-Rabatt für Hybride, Kanada (Chandra et al. 2010)174 €
„Cash for Clunkers"-Abwrackprämie, USA (Li et al. 2013; Knittel 2009)179 bis 402 €
Unser Vorschlag: Förderung nur für reine Elektroautos431 €
CO₂-basierte Zulassungssteuer, Schweiz (Alberini/Bareit 2019)rund 750 €
Aktuelle Dienstwagen-Förderung, Deutschland (diese Studie)1.266 €
Ethanol-Steuergutschrift, USA (Metcalf 2008)400 bis 1.520 €
Anmerkung: Kosten je eingesparter Tonne CO₂ laut den jeweils genannten Studien; Balkenlänge entspricht dem oberen Ende der Schätzung. Dollar-Werte umgerechnet zum durchschnittlichen Wechselkurs 2019 (1,12 USD/EUR). Die aktuelle deutsche Dienstwagen-Förderung liegt damit um ein Mehrfaches über den meisten vergleichbaren Maßnahmen im Verkehrssektor. Nur die Ethanol-Förderung in den USA erreicht ähnliche Größenordnungen. Eine auf reine Elektroautos beschränkte Förderung (grün) wäre dagegen wettbewerbsfähig mit anderen Instrumenten.
Implikation

Zielgenauer fördern

Die Förderung ließe sich deutlich günstiger gestalten: Würden nur reine Elektroautos begünstigt, sänken die Kosten auf 431 € je Tonne. Müssten Hybride überwiegend elektrisch fahren, wären es 321 €. Und würde vor allem mit Ökostrom geladen, wären es 446 €. Das entspricht jeweils rund einem Drittel der heutigen Kosten.

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Zur Studie

Zitation

Giese, Henning / Holtmann, Svea: Towards Green Driving? Income Tax Incentives for Company Cars. TRR 266 Accounting for Transparency Working Paper Series No. 118. Verfügbar auf SSRN.

Über die Studie berichtete u. a. die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Projekt-ID 403041268, TRR 266 Accounting for Transparency · Universität Paderborn